B Ü C H E R T I P P S
Auf dieser Seite möchten wir Ihnen Bücher vorstellen.
Kommissar Kluftinger
von Volker Klüpfel und Michael Kobr
Mit dem Allgäuer Kommissar Kluftinger hat das Autorenduo eine Kultfigur geschaffen, die man wegen ihres Eigensinns, ihrer Ecken und Kanten und auch ihrer, meiner Meinung nach manchmal etwas überspitz gezeichneten Weltfremdheit, gleich ins Herz schließt.
Obwohl bei den Kriminalfällen in jeder neuen Geschichte spannende und lokale Plots aufgegriffen werden, die uns einen Blick hinter die Allgäuer Postkartenidylle werfen lassen, geraten diese doch manchmal in den Hintergrund, weil man als Leser oft mehr daran interessiert ist, ob der Kommissar wieder seine geliebten Kässpatzen isst, ob er mit seiner Frau Erika in Streit gerät, wie er mit seinem aus Niederbayern!!! stammenden Vorgesetzten, mit den Kollegen und seiner Sekretärin umgeht, was sich sein Erzfeind Dr. Langhammer, mit dem er seiner Frau zu Liebe „befreundet“ ist, wieder ausdenkt, um Kluftinger in Schwierigkeiten zu bringen und ob sein gestohlener uralter Passat wieder auftaucht.
Alle sechs bisher erschienen Titel
• Milchgeld
• Erntedank
• Seegrund
• Laienspiel
• Rauhnacht
• Schutzpatron
sind lesenswert – auch für nicht ausgesprochene Krimifans - und eignen sich bestens als unterhaltsame Lektüre an langen Winterabenden.
Rezension: Ulrike Weide
Martin Suter: Allmen und die Libellen
Suter ist mit „Allmen und die Libellen“ unter die Krimi-Autoren gegangen.
Wer aber nun Mord oder Totschlag im Sinne von George, Mankell oder Nesser erwartet, wird enttäuscht, aber auf sehr angenehme Weise.
Der Protagonist Allmen hat die vierzig überschritten und ist ein Gentleman alter Schule, eine Lebemann und Kunstsammler, dem es ohne große Probleme gelingt, das Millionenerbe seines Vaters durchzubringen.
Beim Einsetzen der Geschichte hat er schon seine letzte Immobilie, seine große Villa, veräußert. Jetzt wohnt er, zusammen mit dem realistischen Carlos, den er in Südamerika kennen gelernt hat und der Allmen seitdem als Diener und Freund begleitet, im ehemaligen Gärtnerhaus. Carlos ist in der Lage, seinen Chef bei dessen Höhenflügen, immer wieder auf den Boden der Tatsachen zu stellen und ihm bei prekären Situationen zur Seite zu stehen.
Allmen sah sich auch gezwungen, nach und nach Stücke aus seiner großen Kunstsammlung zu veräußern, bis er nur noch einen kostbaren Stutzflügel sein eigen nennen kann. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als Schulden zu machen, was ihn aber nicht hindert, weiterhin seinen Gepflogenheiten nachzugehen.
Um seinen Lebensstandard fortzusetzen und die Forderungen seiner Gläubiger einigermaßen zu erfüllen, verlegt Allmen sich auf das Stehlen von Kunstobjekten, die er bei einem befreundeten Antiquitätenhändler, der nicht nach deren Herkunft fragt, verkauft.
Bei einem Opernabend lernt er die frisch geschiedene, reiche, wieder in ihrem Elternhaus lebende Joelle kennen, die Allmen abschleppt und sich gern von ihm trösten lässt.
Hier setzt nun die eigentliche „Kriminalgeschichte“ ein.
Allmen entdeckt im Haus von Joelle 5 Schalen des Jugendstilkünstlers Emile Gallé, die ein Libellenmotiv zeigen. Daher auch der Titel des Romans. Er stiehlt zunächst eine, später alle Schalen, um sie zu Geld zu machen. Sein Hehler wird wegen der Schalen ermordet und Allmen entgeht nur mit viel Glück einem Mordanschlag.
Im Laufe der Geschichte wird nun über die Herkunft der Schalen berichtet und darüber, wie es Allmen mit Hilfe von Carlos gelingt, die Geschichte für beide zu einem Happyend zu bringen.
Suters „Allmen-Romane“ bestechen durch den virtuosen Gebrauch der Sprache, durch hintergründigen Humor, die detaillierte Beschreibung von Orten, Menschen und Situationen.
Die Kölnische Rundschau schreibt: Suter erzählt das alles als Scharade mit Feinschliff und hat offenbar an den Hakenschlägen der Handlung ebenso viel Vergnügen wie der bestens unterhaltene Leser.
Rezension: Ulrike Weide
Ingrid Noll: Ehrenwort
In ihrem 2010 erschienen Roman „Ehrenwort“ packt Ingrid Noll ein heißes Thema unserer Zeit an: Wohin mit dem allein lebenden, hoch betagten Opa, der seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann.
Ingrid Noll wäre nicht Ingrid Noll, wenn sie diese Problematik nicht auf ihre Art behandeln und lösen würde: heiter, makaber, rabenschwarz, unkonventionell, mit Mordgedanken und Mordtaten und überraschenden Wendungen.
Opas Familie besteht aus dem Sohn Harald, der sich schon früh von seinem Vater losgesagt hat, der Schwiegertochter Petra, die sich lieber um ihren Buchladen kümmert als um den Haushalt, Max, dem Enkel und Mizzi, der Enkelin.
Alle vier haben etwas zu verbergen – Harald Unregelmäßigkeiten im Amt, Petra einen Liebhaber, Max eine Erpressung und Mizzi ein lesbisches Verhältnis.
Max, der Enkel, versorgt seinen Großvater, einen ehemaligen Lateinlehrer, der ständig lateinische Weisheiten zitiert, mehr schlecht als recht, aber durchaus liebevoll in dessen eigenem Haus, auch weil er Opas Bargeld-Geheimversteck entdeckt hat und sich großzügig daraus bedient, um seinen Erpresser, der später noch in das Familiengeschehen eingreift, zu bezahlen.
Als Opa eines Tages auf einem schlecht entfernten Ölfleck in der Küche ausrutscht, muss er ins Krankenhaus und es sieht gar nicht gut für ihn aus. Zwar überlebt er die Operation, aber die Ärzte rechnen mit seinem baldigen Ableben.
Also erklären sich Harald und Petra bereit, den Opa für die letzte Zeit seines Lebens ins eigene Haus aufzunehmen. Mit Hilfe von Max und zwei Schwestern vom Pflegedienst – in eine verliebt sich Max und sie spielt in der weiteren Handlung noch eine entscheidende Rolle - wird die Sache in Angriff genommen. Es ist ja nicht für lange.
Aber, dank Max, der seinen Opa mit Vanillepudding aufpäppelt, geht es dem alten Mann schon bald wieder so gut, dass sich, auch in Bezug auf das zu erwartende Erbe, bei Sohn und Schwiegertochter Mordgedanken entwickeln.
Nun setzen komische, schwarz-humorige Verwicklungen und Verbindungen zwischen allen beteiligten Personen ein. Harald unternimmt z. B. Versuche, seinen Vater mit Hilfe von Cognac, versetzt mit Schlaftropfen, ins Jenseits befördern, bringt aber damit eine der Pflegerinnen und fast sich selbst um. Petra versucht es mit Stolperdrähten und glatt gebohnertem Fußboden, was ihr leider total misslingt, aber zu weiteren Verwicklungen führt.
So spinnt Ingrid Noll weiter an Mord und Torschlag, aber auch an schönen Momenten menschlicher Begegnungen und lässt am Ende den Opa ganz friedlich einschlafen.
Pressestimmen zu Ingrid Nolls Büchern:
„Ingrid Noll hat das Krimigenre auf unwiederholbare Weise bereichert…“
„Eigenwilliger wurden Familienprobleme wohl noch nie gelöst.“
„Ingrid Noll hat in bester Erzählkultur die perfekte Mischung zwischen bürgerlicher Idylle und blankem Grauen gefunden…“
Weitere Titel von Ingrid Noll:
• Der Hahn ist tot
• Die Häupter meiner Lieben
• Die Apothekerin
• Kalt ist der Abendhauch
• Röslein rot
• Selige Witwen
• Rabenbrüder
• Falsche Zungen
• Ladylike
• Kuckuckskind
[i]Rezension: Ulrike Weide[/i]
Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini
Dieses Buch kann ab 8.11.11 in der Bücherei ausgeliehen werden. (Neueinkauf)
Der vierunddreißig Jahre unauffällig in Deutschland lebende Italiener Collini ermordet scheinbar grundlos einen alten Mann, einen Großindustriellen, in einem Berliner Hotel und lässt sich nach der Tat widerstandslos festnehmen. Der junge Anwalt Caspar Leinen bekommt die Pflichtverteidigung in diesem Fall zugewiesen. Was für ihn zunächst wie ein Karrieresprung aussieht, bringt ihn schon nach kurzer Zeit in einen Gewissenskonflikt, denn er ist mit dem Opfer gut bekannt gewesen. Trotzdem bleibt er bei der Verteidigung, denn Collinis Schweigen zu seinen Motiven reizt ihn, immer weiter nachzuforschen und er stößt schließlich auf eine Spur, die ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte bloßlegt.
Rezension: Ulrike Weide
Schätzing, Frank: Tod und Teufel
(Ein Krimi aus dem Mittelalter)
In seinem Buch „Tod und Teufel“ beschreibt Schätzing die Machtkämpfe, die in den 1260er Jahren in Köln zwischen dem Erzbischof Konrad von Hochstaden und den reichen Patrizierfamilien stattfanden.
Die fiktive Handlung setzt ein, als die Patrizier einen Mörder dingen, der, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt, den ersten Dombaumeister des Kölner Doms, Gerhard Morat, und den Erzbischof ermorden soll.
Zeuge des Mordes am Dombaumeister wird zufällig ein armer Teufel, Jacop der Fuchs, so genannt wegen seiner roten Haare, der gerade die Äpfel des Erzbischofs stehlen will. So werden er und seine Freunde nicht nur in die Intrigen verwickelt, es wird ihnen auch nach dem Leben getrachtet.
Jacop besteht abenteuerliche Situationen, an denen er reift, viel über sich selbst erkennt und den Mörder mit Hilfe seiner Freunde besiegen und so den Mord am Erzbischof verhindern kann.
Schätzing gelingt es wunderbar, die Atmosphäre des mittelalterlichen Köln einzufangen und die Lebenssituationen der ganz Armen und ganz Reichen zu beschreiben.
Er stellt auch anschaulich die Anfänge des Baus des neuen Kölner Doms (Grundsteinlegung 1248) und gibt einen Überblick nicht nur über die Geschichte der Stadt Köln, sondern auch der Geschichte Europas zur Zeit der Kreuzzüge.
Rezension: Ulrike Weide
Léon und Louise von Alex Capus
Die wunderbare Liebesgeschichte, voller Wärme und Humor, wird aus der Perspektive des Enkels erzählt, der nach dem Tod des über 80-jährigen Großvaters versucht, dessen Leben zu rekonstruieren. Der 17-jährige Léon Le Gall wird 1918 zum Arbeitsdienst an die Atlantikküste geschickt, wo er Louise kennen und lieben lernt. Bei einem Artillerieangriff der Deutschen werden sie schwer verletzt und getrennt. Sie halten einander für tot und treffen erst zehn Jahre später zufällig in der Pariser Metro wieder aufeinander. Léon ist inzwischen verheiratet und glücklicher Familienvater. Dennoch hat er Louise nicht vergessen und Louise ihn ebenso wenig. Von da treffen sie sich in unregelmäßigen Abständen; Louise bestimmt Ort und Zeitpunkt. Léons Familienleben leidet nicht unter diesem Doppelleben, seine Frau Yvonne erkennt, was Louise ihrem Léon bedeutet und duldet die Beziehung. Während des Zweiten Weltkriegs meldet sich Louise brieflich; sie ist in Afrika. Alex Capus erzählt die Geschichte einer unkonventionellen Liebe voller Zärtlichkeit und tiefem Verständnis, die bis zum Lebensende anhält: Zu Léons Begräbnis erscheint zum Erstaunen der vier Söhne, Tochter, Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel eine zierliche alte Dame, um von der Liebe ihres Lebens, mit der sie nie zusammengelebt hat, Abschied zu nehmen. (Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2011 - Longlist)
Rezension Ileana Beckmann/Borromäusverein
z. Zt. als Hörbuch, ab 6.11.11 auch als Roman vorhanden
Eisige Nähe - Andreas Franz
Der Mord an einem Musikproduzenten führt Sören Henning und Lisa Santos in einen Sumpf aus Lügen und Intrigen.
In Kiel wird der Musiker Peter Bruhns zusammen mit seiner deutlich zu jungen Geliebten ermordet. Am Tatort findet man eine DNA-Spur, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte. Die Ermittlungen leiten Sören Henning und Lisa Santos, die sich wieder einmal auf ganz dünnes Eis wagen müssen, um den Fall zu lösen. - Auch schon in den vorangegangenen Fällen (s. zul. BP 08/582) ging es selten nur um die jeweiligen Morde. Fast noch wichtiger waren die nahezu aussichtslosen Kämpfe der beiden tapferen Kommissare gegen die Tücken des Systems, gegen Hierarchien und Korruption. So auch hier: Der Mörder ist nicht nur von Anfang an bekannt, er zieht sogar gewisse Sympathien von Ermittlern (und damit auch Lesern) auf sich, je weiter die Handlung fortschreitet. Der Erfolg gibt dem Autor recht, auch dieses Buch ist wieder ein absolut gelungener Wurf.
Rezension von Thomas Oberholthaus/Borromäusverein
Der weite Weg nach Hause - Rose Tremain
Ein Osteuropäer verlässt seine Heimat, um nach vielen Mühen in der Fremde schließlich in eine positivere Zukunft zurückzukehren.
Nach dem Tod seiner Frau und auf Grund der desolaten Lage am Arbeitsmarkt in Osteuropa entscheidet Lev sich schweren Herzens für die Reise ins entfernte England, um dort genug Geld für seine Familie verdienen zu können. Mit kaum Geld und noch viel weniger Englischkenntnissen erwartet ihn in London eine herbe Konfrontation mit dem westeuropäischen Leben. Lev stolpert immer wieder, doch findet allmählich seinen festen Tritt: Er findet eine Wohnung und einen Gesprächspartner, er wird Abspüler in einem der angesagtesten Restaurants, lernt dort Rose kennen, für die er zum ersten Mal seit dem Tod seiner Frau Gefühle hegt, und entdeckt sein Talent für das Kochen. Allmählich geht es aufwärts! Bis ihm sein Freund Rudi vorwirft, seine Heimat vergessen zu haben. Wegen seines Stolzes verliert er Rose, bald verliert er auch seinen Job und zu allem Überfluss erfährt er, dass seine Heimat einem Staudamm weichen soll. Was tun? Seit der Entdeckung seiner Kochkünste beginnt sich eine waghalsige Idee in seinem Kopf zu formen, die ihn und seine gesamte Familie retten könnte… - Auf teils melancholische, teils witzige Art schildert die Autorin eine herrlich optimistische Lebensentwicklung. Dank der Kulturkonfrontation und Naivität des Protagonisten werden so manche westeuropäischen Alltäglichkeiten humorvoll entlarvt und die Unerschütterlichkeit, mit der Lev für eine bessere Zukunft kämpft, verbreitet auch beim Lesen Optimismus. (Übers.: Christel Dormagen)
Rezension Sonja Schmid/Borromäusverein
Reckless - Cornelia Funke
Jakob muss in einer Märchenwelt voller unheimlicher Gefahren seinen Bruder Will retten, der sich in einen Steinmenschen zu verwandeln droht.
Jakob Reckless ist 12 Jahre alt, als er entdeckt, wohin sein verschollener Vater verschwunden ist. Hinter dem Spiegel im Arbeitszimmer des Vaters liegt eine fremde und faszinierende Welt, in die es Jakob nun immer öfters zieht. Er liebt das Abenteuer und macht sich schnell einen Namen in dem merkwürdigen Land, das im Umbruch zu stecken scheint und in vielem an das Europa des 19. Jh. erinnert. Doch gleichzeitig ist die fremde Welt voller magischer Gegenstände und märchenhafter Gestalten. Es gibt Elfen und Zwerge, machtvolle Feen und zwei gegnerische Königreiche, die sich erbittert bekämpfen. In dieser Auseinandersetzung gewinnen die kampferprobten steinernen Goyl immer mehr die Überhand. Gegen seinen Willen wird der inzwischen erwachsene Jakob in die blutige Auseinandersetzung hineingezogen, als ihm eines Tages sein Bruder Will in die Spiegelwelt folgt, von einem Steinmenschen verwundet wird und dadurch beginnt, sich unaufhaltsam in einen Jadegoyl zu verwandeln. Gemeinsam mit Clara, Wills großer Liebe, und mit der Gestaltwandlerin Fuchs versucht Jakob verzweifelt, seinen Bruder zu retten. Doch weil in der Märchenwelt nur die unberechenbaren Feen die Macht haben, Steinernes Fleisch aufzuhalten, muss Jakob eine folgenschwere Entscheidung treffen, die sie alle schon bald in tödliche Gefahr bringt. - Nach der magischen “Tintenwelt” hat Cornelia Funke für ihre neue Fantasy-Saga eine gänzlich andere, aber nicht weniger faszinierende Welt erschaffen. Wie wenige Fantasy-Autoren besitzt sie die Gabe, einen in sich stimmigen phantastischen Kosmos zu erfinden und mit interessanten Figuren zu beleben. Die Namen Jakob und Will verweisen darauf, dass die literarischen Wurzeln dieser mitreißenden Geschichte in den Märchen der Brüder Grimm zu finden sind. Der auch sprachlich überzeugende erste Band lässt den begeisterten Leser schon jetzt auf die weiteren Bände der geplanten Trilogie hoffen.
Rezension von Angelika Rockenbach/Borromäusverein
Marie-Sabine Roger - Das Labyrinth der Wörter
Roman
Der Ich-Erzähler, Germaine Chazes, ist ein ungewolltes Kind, vaterlos, seiner allzu jungen, gefühlsarmen Mutter nur ein “Klotz am Bein”. Und so wächst er ohne jede Fürsorge und Liebe heran. Die Schule bricht er ab, kann kaum lesen und schreiben (Bücher sind ihm nur ein Labyrinth aus Wörtern) und lebt schließlich - alles in allem recht zufrieden - in einem Wohnwagen von Arbeitslosenhilfe und Gelegenheitsarbeiten. Die zufällige Park-Bekanntschaft mit einer älteren kultivierten Dame bringt die Wende in seinem Leben. Sie liest ihm aus Büchern vor und weckt sein Interesse für eine ihm völlig fremde Welt. Auch behandelt ihn hier jemand - zu seiner eigenen Verwunderung - zum ersten Mal mit Respekt. Endlich erfährt er, der “Blödmann”, der von seinen Kumpeln nie für voll genommen wurde, so etwas wie Zuneigung und Wertschätzung. Die vertraulichen Gespräche mit Margueritte über die Welt der Bücher, dann auch über sich selbst und sein Schicksal eröffnen ihm neue Horizonte und zeigen ihm, der bisher nur in den Tag hinein lebt und sich nur in ziemlich zweifelhafter Gesellschaft wohlfühlt, neue Lebensperspektiven auf. Am Ende beschließt er, selbst richtig lesen zu lernen, um der alten Dame, die zunehmend erblindet, aus Büchern vorlesen zu können. - Man kann nur staunen über dieses lebendig-leicht erzählte, wunderbar zarte, warmherzige Buch, das doch nie in sentimentale Gefühligkeit abgleitet, dafür sorgen schon die vielen ausgesprochen witzigen Szenen und Dialoge, in denen Germaine seine banale bis tragikomische Lebenswelt
Rezension HelmerPasson/Borromäusverein
Schändung - Jussi Adler-Olsen
Der zweite Fall von Carl Morck, Sonderdezernat Q.
Zwanzig Jahre nach einem Doppelmord in einem Ferienhaus landet die Akte zu dem Fall auf dem Schreibtisch von Carl Morck. Da gehört sie eigentlich nicht hin, denn Morck und sein Team kümmern sich nur um unaufgeklärte Verbrechen. Wegen dieses Mordes sitzt aber ein geständiger Täter im Gefängnis. Doch bald merkt Morck, dass etwas nicht stimmt. Seine Ermittlungen führen ihn in die höchsten Kreise der Gesellschaft, zu den Aktienhändlern, Schönheitschirurgen und Modeunternehmern dieser Welt. Und er muss in die Parallelwelt der Drogensüchtigen und Obdachlosen abtauchen, um den Fall zu lösen. - In der Fortsetzung zum seinem sehr erfolgreichen Roman “Erbarmen” schafft es Jussi Adler-Olsen wieder, den Leser bis zur letzten Seite in der Geschichte zu halten. Sein Erzählstil ist schnörkellos und doch raffiniert: Die Perspektiven wechseln ständig, die Geschichte spielt an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten, ohne dass der Leser den Faden verlieren würde. Spannend und intelligent. Allerdings: streckenweise recht brutal. Darum nur für nervenstarke Leser/innen. (Übers.: Hannes Thiess)
Rezension von Barbara Leidl/Borromäusverein
Hiobs Brüder - Rebecca Gablé
In den Bürgerkriegswirren Englands im 12. Jh. versucht sich eine Gruppe von Geächteten zu behaupten. Der Romanheld Alan Helmsby hat sein Gedächtnis verloren und nur nach und nach entdeckt er seine kämpferischen Tugenden aus früheren Zeiten. Er muss Intrigen und Kämpfe überstehen. Erst die Begegnung mit dem zukünftigen König von England ist für ihn richtungsweisend und lässt ihn zur Ruhe kommen. - Die Mischung aus historischen Fakten und fiktiven Protagonisten (Alan Helmbsby) ist gelungen. Ein spannendes und unterhaltenes Buch.
Zeit deines Lebens - Cecelia Ahern
Das Buch enthält eine Botschaft:
Sich Zeit nehmen für zwischenmenschliche Beziehungen, aufeinander zugehen und zuhören können sind viel wichtiger als materielle Güter. Ein 14-jähriger Junge wirft am Hl. Abend mit einem tiefgefrorenen Truthahn die Scheiben im Haus seines Vaters ein, der dort mit seiner neuen Frau und deren Kind das Fest begeht.
Ein spannender Roman der es schafft, den Leser mitzunehmen.
Der Koch - Martin Suter
Der tamilische Asylbewerber Maravan und die Kellnerin Andrea sind arbeitslos. Gemeinsam entwickeln der begnadete Koch Maravan und Andrea die Idee eines speziellen Liebes-Caterings.
Das höchst ungewöhnliche Buch verknüpft angenehme Unterhaltung mit kritischer politischer Aufklärung. Es ist nur zu empfehlen.
Die Schachspielerin - Bertina Henrichs
Eleni ist ein Zimmermädchen in einem kleinen Hotel auf der griechischen Insel Naxos. Ihr Ehemann, mit dem sie 2 Kinder hat, besitzt eine kleine Autowerkstatt. Alles geht seinen geregelten Gang, nicht berauschend, aber auch nicht schlecht. Bis zu dem Tag an dem Eleni aus Versehen in einem Gästezimmer auf einem Schachbrett eine Schachfigur umwirft. Sie träumt davon Schachspielen zu lernen und kämpft darum, dies in die Tat umzusetzen.
Auf nur 130 Seiten folgt eine wunderbare Geschichte über Träume und den Mut sie zu verwirklichen. Über die Kraft des Zufalls, durch den dieser bodenständigen Frau neue Wege aus dem Alltag aufgezeigt werden und die sich für diese Leidenschaft auf ein ungewöhnliches Abenteuer mit unabsehbaren Folgen einlässt.
Nebenbei wird noch eine gute Portion "Urlaubsfeeling" vermittelt, und wenn man vom Schachspielen nicht versteht, so schmälert das die Lesefreude keineswegs.
KÖB St. Georg Heiden
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